erlesen – unser Bücherregal

Wir lieben nicht nur das Schreiben sondern auch das Lesen über das Schreiben – spannende Forschungsarbeiten, praktische Ratgeber, inspirierende Anleitungen…

Seit Jahren durchstöbern wir den Buchhandel und das Internet nach guter Literatur zum Thema Schreiben und fühlen uns überflutet von Handreichungen, Schreibratgebern, didaktischen Materialien und Online-Kursen.

Hier sehen Sie, was es davon in unsere Bücherregale geschafft hat: wir stellen Stück für Stück jene Bücher vor, mit denen wir gern arbeiten, weil sie besondere Informationen bereithalten, anschaulich aufbereitet sind, unsere Ansichten vom Schreibenlernen widerspiegeln und uns schlicht inspirieren.

Viel Vergnügen beim Schmökern!

Ein Buch, das uns selbst gefehlt hat

Grieshammer, Ella/ Liebetanz, Franziska / Peters, Nora/ Zegenhagen, Jana: Zukunftsmodell Schreibberatung. Eine Anleitung zur Begleitung von Schreibenden im Studium.
(erschienen im Schneider Verlag Hohengehren 2012; 3. Auflage 2015)

Als wir 2006 die universitäre Schreibberatung für uns entdeckten, gab es wenig deutschsprachige Literatur. Da die Schreibzentrumsbewegung in Deutschland wesentlich von amerikanischen Ideen der Writing Centers und des Peer Tutorings inspiriert war, haben wir Schreibberater*innen viele Forschungsarbeiten und Handbücher aus dem anglo-amerikanischen Raum gelesen. Und wir haben uns ein Buch gewünscht, was auf deutscher Sprache und passend für die Rahmenbedingungen an Hochschulen und Universitäten im deutschsprachigen Raum erscheint. Da es dieses Buch nicht gab, haben wir, vier befreundete Kolleginnen, beschlossen, ebenjenes selbst zu schreiben. Hier ist es.

Schreibberatung ist ein innovatives Unterstützungsangebot für Schreibende und kann z.B. von speziell ausgebildeten studentischen Schreibberater*innen (sog. Peer Tutor*innen), von Schreibzentrumsmitarbeiter*innen und von Fachlehrenden durchgeführt werden.

Dieser erste umfassende Ratgeber hilft Lehrenden und Schreibberater*innen dabei, Schreibende in ihren Schreibprozessen besser zu verstehen, sie professionell zu begleiten und in Sprechstunden einen geschützten Raum zu bieten. Dabei geht es unseres Erachtens vor allem darum, Schreibende anzuregen, sich aktiv mit dem Entstehungsprozess ihrer eigenen (akademischen) Texte auseinanderzusetzen und individuelle Arbeitsstrategien zu entwickeln.

Mit dem Buch geben wir Schreibberater*innen Anregungen, um ein zu ihren jeweiligen Rahmenbedingungen passendes Schreibberatungsangebot zu entwickeln und an Ihrer Hochschule oder Bildungseinrichtung zu etablieren. Und wir möchten Lehrende inspirieren, zu ihrer eigenen Expertise im wissenschaftlichen Schreiben ergänzend Elemente der Schreibberatung in ihre Sprechstundengespräche zu integrieren. Insbesondere in der Anfangsphase von Schreibprojekten, also bei der Eingrenzung von Themen, der Formulierung einer erkenntnisleitenden Fragestellung oder Zielsetzung sowie bei der Arbeitsplanung können Schreibende von einer solchen Beratung profitieren.

Basierend auf mehrjährigen Erfahrungen von uns Autorinnen und wissenschaftlichen Erkenntnissen beantworten wir mit dem Buch folgende Fragen:

  • Was bedeuten Lesen und Schreiben an der Hochschule, was ist daran schwierig und warum sprechen so wenige darüber?
  • Wie können Sie Schreibberatung entsprechend Ihrer Rahmenbedingungen umsetzen?
  • Welche Formen von Schreibberatung gibt es und wie laufen diese ab?
  • Wie nutzen Sie Gesprächs-, Feedback- und Schreibtechniken in der Beratung?
  • Wie können Sie dazu beitragen, eine Kultur zu etablieren, in der das Sprechen über das Lesen und Schreiben als selbstverständlich und professionell wertgeschätzt wird?
  • Wie können Sie dazu beitragen, eine Kultur zu etablieren, in der das Sprechen über das Lesen und Schreiben als selbstverständlich und professionell wertgeschätzt wird?

Wir wollten einen Ratgeber veröffentlichen, der nicht nur informativ sondern auch praktisch zu handhaben ist.

Jedes Kapitel beginnt mit einer orientierenden Auflistung der Inhalte und einem Abstract. Wir haben Bilder, Grafiken und Tabellen genutzt und die Seiten so formatiert, dass Sie immer einen guten Überblick behalten. Am Ende eines jeden Kapitel finden Sie 1.) Fragen, um das Gelesene auf die eigene berufliche Situation zu übertragen und 2.) kommentierte Literaturhinweise. Die Literaturliste am Ende des Buches haben wir unterteilt in die Literatur zu den jeweiligen Kapiteln.

Wir hoffen, Sie finden so rasch die Informationen, die Sie suchen und wünschen eine inspirierende Lektüre!

Antworten und Hilfe in uns selbst – Kompetenz für das eigene Leben

Silke Heimes: Schreiben als Selbstcoaching
(erschienen bei Vandenhoeck und Rupprecht 2014)

Link zum Buch beim Verlag: http://www.v-r.de/de/schreiben_als_selbstcoaching/t-0/1011193/

Informationen zur Autorin sowie regelmäßige Schreibimpulse finden sie hier: http://silke-heimes.de/

Schreiben als Selbstcoaching hilft, Erfahrungen und Gefühle, Unzufriedenheiten und Blockaden, Stärken und Wünsche zu formulieren und ernst zu nehmen. Schreibend schenkt man jenen Erfahrungen und Emotionen Aufmerksamkeit, kann ihnen zunächst einmal wohlwollend, behutsam und mit einer gewissen Gelassenheit und Geduld, freundlich, mitfühlend, verzeihend, fair begegnen. Man kann sie annehmen und betrachten, um schließlich Änderungen vorzunehmen.

Schreibendes Selbstcoaching hilft dabei (wieder) zu seinen Gefühlen und Einstellungen zu stehen, aufrecht sich selbst und anderen gegenüber zu sein.

Wenn man beim Schreiben umfangreicher Texte ins Stocken gerät, wenn man die Sinnhaftigkeit der eigenen Forschung infrage stellt, wenn die Rahmenbedingungen nicht zum eigenen Schreib-Arbeitsleben zu passen scheinen, wenn man seine Lehre schreibintensiver gestalten oder inhaltlich/methodisch verändern möchte oder wenn man neue Ideen sucht, um Schreibende zur Selbstreflexion anzuregen, dann…

… können zahlreiche Impulse aus dem kreativen, therapeutischen, biographischen Schreiben als Selbstcoachingwerkzeug helfen. Diese stellt Silke Heimes nach einigen kurzen theoretischen Plädoyers und Erklärungen vor. Ihr geht es offenbar darum, dass man sich als Mensch selbst wertschätzt und sich selbst und anderen mit Würde begegnet.

Zunächst führt Silke Heimes in knackigen Kapiteln ein in ihr Verständnis von Coaching, Selbstcoaching, die Würde des Menschen und das Schreiben als Akt der Wertschätzung. Sodann stellt sie thematisch strukturiert Schreibübungen vor, mit denen man seine Aufmerksamkeit auf bestimmte Fragen lenkt, sich selbst reflektiert, die Perspektiven ändert, alternative Reaktionen ausheckt und überlegt, was einen stärken könnte. Diese übergeordneten Themen sind: Anfangen, Bestandsaufnahmen, Identität, worauf man vertrauen kann, persönliche Rollen und Masken im Leben, neue Wege, Lösungen, Träume, Geheimnisse und Verrücktheiten, Gefühle, Loslassen, sich selbst zuhören, Spiritualität, Ethik und Achtsamkeit.

Zunächst kann dieses Buch für jeden Menschen interessant sein. Wir schätzen dieses Büchlein besonders für Studierende und Promovierende, die sich ihre Werte bewusst machen oder ihren Kompass neu ausrichten möchten. Vielleicht braucht es nur einige Veränderungen im Schreibumfeld, um die Qualifikationsarbeit wieder anzupacken und zufrieden abzuschließen. Und vielleicht wäre es auch hilfreich, die eigene Herkunftsgeschichte zu betrachten und die eigenen Visionen für die berufliche Tätigkeit, gesellschaftliches Engagement und persönliche Entfaltung zu befragen. Bei alledem können die vorgestellten Schreibübungen gute Anregungen sein. Denn „(i)ndem man sich selbst in allen Facetten zunehmend besser kennenlernt, sich erforscht und immer wieder neu verortet, seinen Platz in der Welt beständig definiert und seine Gedanken und Gefühle artikuliert, wird man seiner Selbst in einer umfassenden Weise gewahr…“ (S. 39) „Schreiben ist eine Schule der Wahrnehmung und zugleich ein Akt der Würdigung und Wertschätzung“ (S. 38).

Besonders finden wir die Haltung der Autorin zu Menschen, zu Schreibenden und zum Schreiben selbst. Für sie ist jede selbst kompetent für sein Leben. Und: „Jeder, der sich selbst verstehen will, sich in allen Höhen und Tiefen erforschen und begleiten und etwas verändern will, ist mutig und verdient den größten Respekt. Ihm gebührt Achtung, Anerkennung und Wertschätzung dafür, dass er bereit ist, sich selbst, der Welt und anderen gegenüber Augen, Ohren und Herz zu öffnen.“ (S. 13)

Mit poetischen Texten sich selbst und andere coachen

Ramona Jakob: Poesie ist Lebenstanz. Warum es sich lohnt, Gedichte zu schreiben
(erschienen bei Schneider Verlag Hohengehren, 2016)

Link zum Buch beim Verlag: http://www.paedagogik.de/index.php?m=wd&wid=3030

Auf der Homepage der Autorin erfahren Sie mehr über ihre vielfältige Arbeit: http://ramonajakob.berlin/

In diesem Buch „Poesie ist Lebenstanz. Warum es sich lohnt, Gedichte zu schreiben“ stellt Ramona Jakob wichtige theoretische Hintergründe, ihr methodisches Vorgehen sowie die Ergebnisse ihres Dissertationsprojektes vor. Die Forschungsarbeit zur Bedeutung poetischer Schreibprozesse für die persönliche Entwicklung von Schreiber*innen in nichttherapeutischen Beratungsprozessen wurde als E-Paper auf den Seiten der Europa-Universität Viadrina veröffentlicht. Dieses Buch ist eine eingängige Ergänzung dazu, ist Information und Inspiration für Schreibvermittler*innen und Poesiecoaches.

In dem einführenden Teil versorgt Ramona Jakob uns Leser*innen mit Hintergrundinformationen über Poesietherapie und Poesiecoaching und macht deutlich, aus welch zahlreichen Ansätzen sich  Poesietherapie und Poesiecoaching speisen und dass aus verschiedenen Perspektiven geforscht werden muss. Die Autorin bringt so viele Aspekte zusammen, die für uns neu sind und erklärt inspirierend, warum Schreiben wertvoll sein kann. Nach dieser Lektüre waren wir auch neugierig auf die wissenschaftlichen Studien, auf die sich R.J. bezieht. Zudem haben wir uns viele Zitate und Quellen über die Bedeutung von Worten und Sprache markiert. Mit ihrem Einführungsteil leitet Jakob hin zu ihrer Forschungsfrage nach der Bedeutung poetischer Schreibprozesse für die Schreibenden.

Um diese Frage beantworten zu können, hat Ramona Jakob Schreibsettings und Schreibanleitungen für Schreibgruppen und einzelne Schreiber*innen entwickelt und diese durchführen lassen. Im Anschluss an ein Set von Schreibaufgaben wurden die Teilnehmenden per Fragebogen nach der jeweils kognitiven und emotionalen Bedeutsamkeit der formungebundenen und formgebundenen Aufgaben befragt. Im Anschluss an die gesamte Folge von Schreibsettings hat Ramona Jakob qualitative Interviews mit den Schreiber*innen sowie den Schreibgruppenteilnehmer*innen und -leiter*innen geführt. Die Analyse und Deutung der Daten hat die Forscherin sehr behutsam vorgenommen und präsentiert sie wertschätzend, poetisch aber auch systematisch mit Abbildungen und Tabellen.

Was uns richtig gut gefällt an diesem Buch, ist, wie wertschätzend die Forscherin und Autorin mit den Texten und Gedanken der Teilnehmer*innen der Studie und mit ihren eigenen umgeht. Der ganze Teil, im dem sie sich der Auswertung und Darstellung der Erkenntnisse widmet, wirkt so liebevoll, teilweise auch poetisch. Da fließen ganz wunderbare Worte. Für uns liest es sich so, als hätte die Verfasserin dort besonders ihre Stimme gefunden und nähme besonders diese Erkenntnisse wichtig. Und ganze Gedichte von Ramona Jakob und von den Teilnehmer*innen vermitteln sie noch poetischer und ja bildlicher, rhythmischer, näher… Wir waren erstaunt, was die Forscherin alles herausgearbeitet hat und wie einiges zusammenhängt. Jetzt, wo wir das gelesen haben, dachten wir oft “ja, stimmt”. Es ist so, als hätte Ramona Jakob vielen unserer Erfahrungen zu einer Erklärung verholfen, ohne die Magie zu verlieren. So erklärt sie, wie die Teilnehmer*innen ihrer Studie durch das poetische Schreiben eine Art Differenzerfahrung zu ihrem Alltag erleben und so Raum für sich selber und ihre persönliche Entwicklung gewinnen. Durch die Poesiearbeit gestalten sie ihre Gefühle, verändern Perspektiven, spielen mit Nähe und Distanz, finden Bilder bzw. eine Bildsprache für ihr eigenes Leben, spüren den Rhythmus der Poesie innerlich, sind achtsam mit sich, erleben Freude und sich selbst wirksam.

Der Bezug zum Poesiecoaching besteht für uns vor allem darin, dass die Verfasserin darauf aufmerksam macht bzw. den Poesiecoaches verständlich macht, wie und wodurch das poetische Schreiben für die Schreibenden wirken kann und wie formungebundene und formgebundene Textformen verschieden genutzt werden können. Zunächst aus der Sicht der Schreibenden betrachtet, wird klar, was das für das Handeln von Poesiecoaches bedeutet, für die Vorüberlegung, den Einsatz von bestimmten Schreibimpulsen, die Gestaltung von Schreibsetting bis hin zum Umgang mit Texten der jeweiligen Schreiber*innen.

Ja durchaus, für Schreibgruppenleiter*innen, für Studierende und Promovierende, für Vermittler*innen des wissenschaftlichen Schreibens sind diese Ergebnisse und Anregungen sehr relevant. Sie können darin Ideen finden, wie Lehrveranstaltungen und Workshops mit Schreibanregungen systematisch aufgebaut werden können und inwiefern das Schreiben von Gedichten bzw. poetischen Texten dabei helfen kann, neue Denkwege zu beschreiten, kreativ alte Argumentationsmuster aufzubrechen, von gewohnten Betrachtungsweisen Abstand zu gewinnen und Bilder für Gedanken zu finden.

Das Buch informiert über die wissenschaftlichen Hintergründe des poetischen Schreibens im Rahmen von Poesietherapie und Poesiecoaching. Die Ergebnisse der Studie inspirieren, regen zum Denken an über die Prozesse und Besonderheiten des poetischen Schreibens und dessen wertvolle Bedeutung für die Schreibenden. Die „Gedichtanleitungen“ im Anhang sind wichtig fürs Verständnis, verleiten zum Schreiben und Nachspüren – genau wie die Schreibaufgaben, die am Ende jedes Kapitels direkt an die Leser*innen adressiert sind. In Sonetten zum Auftakt der Kapitel verdichtet Ramona Jakob ihre Fragen und die Kapitelinhalte aus ihrer Forscherinnenperspektive. Wir lieben dieses Buch! Wir lieben das Schreiben!

Schreibfitness vergnüglich trainieren

Ulrike Scheuermann- Wer reden kann, macht Eindruck. Wer schreiben kann, macht Karriere. Das Schreibtrainingsprogramm für mehr Erfolg im Job.

Ulrike Scheuermann: Wer reden kann, macht Eindruck. Wer schreiben kann, macht Karriere. Das Schreibtrainingsprogramm für mehr Erfolg im Job.
(erschienen bei Linde, 2009)

Mit diesem Schreibtrainingsbuch arbeiten wir als Schreibdidaktikerinnen sehr gern. Das Buch besticht durch eine klare Sprache, den fundierten Inhalt und den aufgelockerten aber dezenten Aufbau mit Erklärungen, Hintergrundwissen, Karrierefaktoren, authentischen Beispielen, Übungen und Handzeichnungen. Es wird dadurch sehr übersichtlich, praktikabel und motivierend. Man kann es von vorne bis hinten sportlich durcharbeiten oder sich je nach Bedarf die Informationen und Übungen herausgreifen. Ergänzt wird es um die Schreibfitness-Mappe.

Ulrike Scheuermann: Die Schreibfitness-Mappe. 60 Checklisten, Beispiele und Übungen für alle, die beruflich schreiben.
(erschienen bei Linde, 2011)

Hier finden Sie mehr Informationen über den Kontext der Bücher auf den Seiten der Autorin: https://ulrike-scheuermann.de/akademie-fuer-schreiben/

Ergänzend zum Buch „Wer reden kann, macht Eindruck. Wer schreiben kann, macht Karriere. Das Schreibtrainingsprogramm für mehr Erfolg im Job“ hat Ulrike Scheuermann eine Arbeitsmappe veröffentlicht. Schon am Titel wird deutlich: Schreiben kann man trainieren. Genau dazu ist diese Mappe gemacht. Schreibende können zunächst im 1. Teil mit Tests und Checklisten darüber nachdenken, welcher Schreib- und Pausentyp sie sind, welche Schreibzeiten, -medien und welche Stimmung für sie hilfreich sind.

15 typische Schwierigkeiten und Schreibtrainingsziele werden im zweiten Teil vorgestellt. Schreiben ist mit all seinen Rahmenbedingungen und Anforderungen eine sehr komplexe Aufgabe. Aus der eigenen Schreibpraxis kennen viele Schreibende allerhand Tücken, die es zu meistern gilt. Das bestätigen auch Befunde aus der Schreibforschung. Hier in der Schreibfitnessmappe sind typische Herausforderungen und Probleme beschrieben mithilfe von Fallgeschichten. Als Nutzer*in dieser Mappe kann man schauen, in welcher Beschreibung bzw. Geschichte man sich wiederfindet. Die Autorin erklärt, warum das jeweilige Problem bestehen mag und wie man es lösen kann, um in seinem (beruflichen) Schreibprojekt weiter voranzukommen.

Im dritten Teil sind 35 Übungen bzw. Schreibtechniken versammelt, die dabei helfen können, bestimmte Schritte im Schreibprozess zu gehen, etwa: den Schreibprozess zeitlich mit passenden Teilaufgaben planen, Ideen sammeln und Gedanken entfalten, sich die Leserschaft vorstellen, einen roten Faden entwickeln und behalten, entworfene Texte überarbeiten, sich selbst (wieder) motivieren und den Sinn des eigenen Schreibprojektes vergegenwärtigen.

Am Ende des Buches findet man eine Liste, die dabei hilft, die passende Übung für den aktuellen Moment im Schreibprozess zu finden. Außerdem helfen eine Reflexionstabelle und ein Modell eines Schreibprozesses dabei, sich zu orientieren und Schreibtrainingserfolge zu sehen.

Das Schöne an diesem Buch ist, dass es so unglaublich praktisch ist, jeder Test, jedes Beispielproblem, jede Schreibtechnik findet auf einer Doppelseite mit jeweils gleicher Struktur seinen Platz. Man gewinnt so einen guten Überblick, kann rasch etwas für seine aktuelle Situation finden. Man wird auf den Punkt informiert und zum Schreibtraining angeleitet. Das ist praktisch, hat man doch während eines Schreibprojektes meist kaum Zeit, ausufernde Ratschläge zu lesen. Und wenn doch, dann kann man die ausführlichen Hintergrundinformationen und Erklärungen in dem dazugehörigen Buch lesen. Eine fundierte, praktische, Schreiber*innen-freundliche Kombi!

Dieses Buch kann allen Schreibenden, egal ob im Beruf, im Studium oder in der Promotion, dabei helfen, den Schreibprozess angenehm und produktiv zu gestalten und sich aus eventuellen Tiefs systematisch herauszuarbeiten.

Mit Chuzpe die wissenschaftliche Abschlussarbeit meistern

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Judith Wolfsberger: Frei geschrieben. Mut, Freiheit und Strategie für wissenschaftliche Abschlussarbeiten.
(erschienen bei Böhlau, 2007, 3. Auflage 2010 bei utb)

Und hier geht es zum privaten Schreibinstitut writer’s studio in Wien, dem Schreibraum der Autorin: https://writersstudio.at/

Schreiben ist ein Handwerk. Und um es zu erlernen,  benötigt man Wissen, Werkzeuge und viel Übung: Ich sollte Wissen über mein Schreibthema haben, über die Textsorte, die ich verfassen und die Lesenden, die ich erreichen möchte. Dazu verwende ich Werkzeuge wie Schreibtechniken (z.B. Mind Map, Freewriting, Clustering), aber auch Computer und Schreibjournale. Und je mehr ich schreibe, desto besser werde ich, desto leichter fällt mir das Verfassen von Texten.

Doch das Schreibhandwerk braucht noch etwas darüber hinaus: Mut und Freiheit und Kreativität. Den Mut, sich zu zeigen und etwas zu probieren, den Mut, zu versagen und wieder aufzustehen. Es braucht die Freiheit, zu lernen, Fehler machen zu dürfen, seinen eigenen Stil zu finden. Die Kreativität, alte Pfade zu verlassen, einen neuen Blick auf die Dinge zu wagen und zu einem überraschenden Ergebnis zu kommen.

Um Mut, Freiheit und Kreativität geht es in Judith Wolfsbergers Schreibratgeber für wissenschaftliche Abschlussarbeiten. Sie zeigt Strategien, mit denen Studierende ihre Abschlussarbeit erfolgreich und ohne Dauerstress verfassen können. Und dieser Fokus auf das Schreiben als Abenteuerreise, bei der man mutig sein muss, sich Freiheiten gewährt und sich so entwickelt, sich ausprobiert und neues wagt, macht das Buch zu einem besonderen Schreibratgeber.

Judith Wolfsberger beschreibt in ihrem Buch das Verfassen der wissenschaftlicher Abschlussarbeit mit Blick auf den Schreibprozess. Sie erzählt, was einen beim Verfassen eines so langen Textes an einer deutschsprachigen Hochschule erwartet und was man alles aus diesem Prozess für sich mitnehmen kann, wenn man sich darauf einlässt und diesen Prozess selbstbewusst gestaltet.

Anhand ihrer Erfahrungen als Schreibende und als Schreibtrainerin erklärt sie, wie man sich den Arbeitsprozess organisieren kann, wie man zu einer tragfähigen Forschungsfrage kommt, wie man sich auf Sprechstunden vorbereiten und mit Betreuenden seine Fragen besprechen kann, wie man kritisch mit Fachliteratur umgehen kann, wie man aus Motivationstiefs wieder herauskommt und weiterschreiben kann, worauf es bei der Überarbeitung ankommt. Dafür gibt sie ihren Leser*innen Informationen und Schaubilder und am Ende jedes Kapitels Fragen, Aufgaben und Techniken an die Hand. Jedes Kapitel endet so mit einer Aufforderung an die Leser*innen etwas zu tun und bringt sie ins Handeln.

In den ersten 3 Kapiteln beschreibt Judith Wolfsberger die Schreibsituation an deutschsprachigen Hochschulen und erklärt, warum es wichtig ist, sich trotz möglicher herausfordernder Umstände der Abschlussarbeit zu stellen. Sie berichtet von ihrer jahrelangen Erfahrung als Schreibberaterin und Schreibtrainerin und gibt dadurch Mut und Hoffnung, dass wirklich jede*r die Arbeit meistern kann – mit einem eigenen Weg und etwas „Chuzpe“ (S. 125).

In den Kapitel 4, 5, 14 und 15 lernt man, wie man sich den Schreibprozess organisieren und gestalten kann mit den richtigen Schreibgeräten und inspirierenden Schreiborten, wie man seine Zeit sinnvoll plant und in 6 bis 9 Monaten recht entspannt seinen Text verfasst mit täglich etwa 4 Stunden Schreibzeit und ausreichend Puffer und Ruhezeit.

In den Kapiteln 7, 8, 10, 11 und 13 geht es konkret um das wissenschaftliche Schreiben und Themen wie die Forschungsfrage, die Struktur des Textes, die Wissenschaftssprache und das Arbeiten mit Fachliteratur. Dabei steht wie im ganzen Buch der Mut zum eigenen Weg im Vordergrund.

Um in den Schreibfluss zu kommen und mit eigenen Schreibhemmungen umzugehen, gibt es Ratschläge und Zuversicht in den Kapiteln 6, 12, 16 und 17. Judith Wolfsberger empfiehlt auch ganz ausdrücklich, ein privates Schreiben zu praktizieren. Für sich zu schreiben – zum Beispiel in Morgenseiten (S.74-75) – hilft eine Schreibroutine aufzubauen, das Schreiben zu trainieren, sich im Schreiben auszuprobieren und eine Schreibstimme zu entwickeln und sich alles Belastende von der Seele zu schreiben. Glücksversprechend ist der Schreibmarathon, den sie in Kapitel 17 erklärt. Angeregt vom National Novel Writing Month – initiiert von Chris Baty – spricht Wolfsberger sich dafür aus, auch beim Verfassen der Abschlussarbeit idealerweise gemeinsam mit anderen in einem Marathon über eine bestimmte Zeit mit einem bestimmten Wortziel zu schreiben. Bei diesem Marathon gilt Quantität vor Qualität, den inneren Zensor in den Urlaub zu schicken und all sein Wissen zu seinem Thema aufs Papier zu bringen. Denn eines ist klar: Ein schlechter Text lässt sich leichter überarbeiten als ein leeres Blatt.

Wie man dann mit dem Rohtext umgehen und ihn überarbeiten sollte, zeigt Judith Wolfsberger in den Kapiteln 18, 19 und 20. Den letzten Feinschliff und den Mut zum Abgeben bespricht sie  in Kapitel 21.

In Kapitel 9 „Selbstbewusst das Selbstverständliche einfordern. Kommunikation mit Betreuenden“ fordert Judith Wolfsberger die Studierenden auf, sich selbstbewusst, vorbereitet und respektvoll an ihre Betreuenden zu wenden, sie als Senior-Partner*innen im Schreibprozess zu sehen, von denen man bestimmte Aussagen, Hilfe, Gespräche erwarten kann. Auch aus unserer Erfahrung ist das ein Punkt, der sich für viele Studierenden seltsam anfühlt und verunsichert: Wie kann man mit derjenigen Person, die den fertigen Text später bewertet, während des Arbeitsprozesses ein Gespräch führen, ohne sich für seine Fragen zu schämen oder zu fürchten, dass diese Offenbarungen die Bewertungen negativ beeinflussen. Das beruhigende daran ist, dass diese Fragen sowohl die Studierenden als auch die Lehrenden beschäftigen. Ein transparenter und respektvoller Umgang kann beiden Seiten helfen.

Und in dem letzten Buchkapitel „Die Lust, weiterzuschreiben. Schreibkompetenz als Erfolgsfaktor“ schließt Judith Wolfsberger ihren mutbringenden Ratgeber mit Überlegungen dazu ab, was nach der Abschlussarbeit geschehen kann. Anders gesagt, eröffnet sie den Blick auf die Zukunft nach der Abschlussarbeit und zeigt, welche Vorteile es hat, die entwickelte Schreibkompetenz einzusetzen und warum es gut ist, weiter zu schreiben.

Für wen ist das Buch interessant?

Dieser Ratgeber ist genau der Richtige für alle, die das Verfassen der wissenschaftlichen Abschlussarbeit nicht nur als letzte Pflicht im Studium betrachten, sondern die Zeit freudvoll, entspannt und erkenntnisgewinnend erleben möchten. Er ist für diejenigen geschrieben, die Spaß am Schreiben haben und das auf das wissenschaftliche Schreiben übertragen möchten. Er ist für Studierende, die mit Schreibhemmungen zu kämpfen haben und in einem Ratgeber einen Zuspruch suchen. Dieses Buch gibt seinen Lesenden den Mut und die Hoffnung, den langen Schreibprozess durchzustehen und durchaus auch Freude dabei zu haben.

Lehrende bzw. Betreuer*innen wissenschaftlicher Arbeiten und Schreibberater*innen können dieses Buch als eine Art Schatzkiste nutzen: Sie finden in diesem Buch allerhand motivierende Argumente für Beratungsgespräche sowie Anleitungen für Schreibtechniken – übersichtlich auf ein bis zwei Seiten je Kapitelende. Sie können darin selbst stöbern oder dieses Schatzkästchen ihren Schreibenden empfehlen.

Judith Wolfsberger steht mit diesem unkonventionellen, erzählenden, kreativ gestalteten und dennoch übersichtlich strukturierten Ratgeber den Schreibenden mit Tipps und Motivation zur Seite, sie teilt mit ihnen ihre Sorgen, Ängste und Wut und vermittelt gleichzeitig Zuversicht und Techniken, um sich in das Abenteuer Abschlussarbeit zu stürzen.

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